Im letzten Artikel haben wir gelernt, dass „Sativa“ und „Indica“ ausgedient haben. Wir betrachten Cannabis nun als Chemovar. Doch wenn wir tiefer in die biochemische Suppe blicken, stellen wir fest: THC ist nur der Motor. Das Lenkrad, das bestimmt, wohin die Reise geht, sind die Terpene.
Mehr als nur Geruch
Terpene sind flüchtige organische Verbindungen, die Pflanzen ihren charakteristischen Duft verleihen. In der Cannabispflanze wurden über 120 verschiedene Terpene identifiziert. Lange Zeit dachte man, sie seien nur für das Aroma zuständig. Ein Irrtum.
Aktuelle Studien zeigen, dass Terpene aktiv mit Cannabinoiden interagieren. Dies nennt man den Entourage-Effekt.
Ein Beispiel aus der Praxis: Das Terpen Myrcen ist bekannt für seine sedierende, muskelentspannende Wirkung. Es hilft dem THC, die Blut-Hirn-Schranke schneller zu passieren. Eine Sorte mit viel THC und viel Myrcen wird dich also wahrscheinlich tief in die Couch drücken. Das Terpen Limonen hingegen wirkt stimmungsaufhellend und angstlösend. Kombiniert mit derselben Menge THC ergibt sich plötzlich ein klares, euphorisches High.
Gleicher THC-Gehalt, völlig andere Wirkung. Die Chemie macht die Musik.
Warum Geschmack Wirkung vorhersagt
Hier wird es für den Feinschmecker interessant. Die Forschung deutet darauf hin, dass wir instinktiv zu den Terpenprofilen hingezogen werden, die unser Körper gerade braucht.
Findest du eine Sorte mit einem stechenden, „gasigen“ Geruch (oft verursacht durch flüchtige Schwefelverbindungen, sogenannte VSCs, in Kombination mit Beta-Caryophyllen) besonders attraktiv? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass genau diese chemische Komposition bei dir die gewünschte entspannende Wirkung erzielt.
Riecht eine Sorte für dich hingegen „falsch“ oder unangenehm, wird auch die Wirkung oft als dysphorisch oder unangenehm empfunden.
Fazit für den Alltag
Achte bei deiner Auswahl im Verein nicht nur auf den THC-Prozentwert. Das ist eindimensional. Nutze deine Nase. Das Terpenprofil – also die Summe aus Monoterpenen, Sesquiterpenen und Schwefelverbindungen – ist der Fingerabdruck der Wirkung.
Wenn du das nächste Mal an unseren Gläsern riechst, vertrau deinem Instinkt. Dein olfaktorisches System führt eine komplexe chemische Analyse durch, zu der kein Laborgerät der Welt in dieser Geschwindigkeit fähig ist. Dein Körper weiß oft schon vor dem Konsum, welches Chemovar ihm gut tut.
Liebe Grüße
Dein WeedGras
Quellen:
https://www.frontiersin.org/journals/plant-science/articles/10.3389/fpls.2016.00019/full
