Dr. Lena Gumnior und Heiko Speckmann zu Gast bei WeedGras e.V. im schönen Diepholz

Vor kurzem durfte der WeedGras e.V. – unsere noch junge, ländlich geprägte Anbauvereinigung mit rund 140 Mitgliedern – besonderen Besuch empfangen: Dr. Lena Gumnior (Bundestagsabgeordnete und Obfrau der Grünen im Rechtsausschuss) und Heiko Speckmann machten sich vor Ort in Diepholz ein Bild davon, wie aus parlamentarischer Theorie gelebte Praxis wird.

Nach einer herzlichen Begrüßung ging es direkt in die Bestandsaufnahme: Wie läuft das Zusammenspiel mit den Behörden, und wie ist das nachbarschaftliche Verhältnis? Die erfreuliche Erkenntnis der ersten Betriebsmonate: Der gesellschaftliche Wandel wird – abseits der “üblichen Verdächtigen“ – durchweg positiv und interessiert aufgenommen. Es bewahrheitet sich eindrucksvoll: Transparenz und Aufklärung sind das beste Gegengift für jahrzehntelange Stigmatisierung.

Dieses konstruktive Bild spiegelt glücklicherweise die allgemeine Situation in Niedersachsen wider, leider ganz im Gegensatz zu einigen reaktionäreren Bundesländern.

Ein Meilenstein für die langfristige Stabilität der Anbauvereinigungen ist die rechtliche Klärung der Vorstandsvergütung. Den kompletten Vereinsbetrieb dauerhaft ehrenamtlich in der Freizeit abzuarbeiten, wäre schlichtweg unmöglich – und wird der hochkomplexen Compliance eines regulierten Marktes schlicht nicht gerecht.

Das Verwaltungsgericht Hamburg (Az.: 3 K 39/26) hat hierzu kürzlich die restriktive Linie vieler Erlaubnisbehörden gekippt und klargestellt: Es gibt eine “saubere Trennung zwischen Tätigkeiten, die unmittelbar mit dem gemeinschaftlichen Eigenanbau […] verbunden sind, und solchen, die organisatorischer Natur sind“. Eine faire Vergütung für den enormen organisatorischen Aufwand ist damit rechtmäßig und vom Gesetzgeber gewollt.

Höhepunkt des Besuchs war die Führung durch unsere Vegetations- und Blüteräume. Wir präsentierten unsere nachhaltige “Living-Soil“-Anbaustrategie. Zudem demonstrierten wir, wie viel Wert wir auf eine lückenlose Dokumentation legen: Jede einzelne Pflanze wird vom Sämling über detaillierte Etiketten bis hin zur finalen Abgabe akribisch getrackt. Auch unsere Eigenbaulüftung mit Wärmerückgewinnung und die zu 100 % aus erneuerbaren Energien gedeckte Stromversorgung unterstrichen unseren strikten ökologischen Anspruch.

Im politischen Austausch formulierten wir klare Wünsche für die Zukunft. Zentraler Kritikpunkt bleibt das strikte Konsumverbot in unseren Räumlichkeiten. Hier sehen wir eine gefährliche Diskrepanz: Anstatt einen geschützten, kontrollierten Konsumbereich vor Ort zu schaffen, zwingt uns die aktuelle Regelung, Mitglieder „auf die Straße zu setzen“ – was im schlechtesten Fall erst zu der Belästigung der Öffentlichkeit führt, die man eigentlich vermeiden wollte. 

Die Forderung nach einer Streichung des Verbots wird auch durch die anlaufende wissenschaftliche EKOCAN-Evaluation gestützt. Zudem fordern wir die pragmatische Erlaubnis, zumindest Wasser und Erfrischungsgetränke anbieten zu dürfen.

Trotz dieser Nachbesserungswünsche machten wir deutlich: Das deutsche CanG ist mit seinem Fokus auf Anbauvereinigungen besser als jede andere Teillegalisierung weltweit. Verbraucherschutz wird durch absolute Transparenz gewährleistet, Jugend- und Gesundheitsschutz durch konsequente Kontrolle.

Wir lobten ausdrücklich starke Schutzmechanismen wie die 500-Mitglieder-Grenze. Frei nach dem Credo: Vernünftige Regulierung statt Raubtierkapitalismus.

Dies untermauert auch die globale Wissenschaft: Eine großangelegte Übersichtsarbeit im renommierten Fachmagazin The Lancet („Public health impacts of cannabis legalization“) belegt unmissverständlich: “Nicht die kontrollierte Legalisierung treibt den Konsum und die gesundheitlichen Risiken in die Höhe, sondern die unregulierte Kommerzialisierung und das aggressive Marketing profitorientierter Märkte.”

Wir stehen mit unserem Verein genau für diesen wissenschaftlich fundierten, verantwortungsvollen Weg.

Gleichzeitig solidarisieren wir uns mit anderen Vereinen, die unter pauschalen Werbeverboten und starren 200-Meter-Abstandsregelungen massiv leiden. Bei uns ist das zum Glück nicht der Fall, denn wir hatten sowohl bei der Immobilie als auch beim Mitgliederzuwachs viel Glück.

Frau Dr. Gumnior unterstrich abschließend die Dringlichkeit einer starken, gebündelten Interessenvertretung. Dachverbände wie der Cannabis Anbauverband (BCAv) oder der Deutsche Hanfverband (DHV) sind essenziell, um politisch mit einer Stimme zu sprechen und ein handfestes Standing aufzubauen.

Das rundum offene und konstruktive Treffen endete mit dem Austausch von Kontaktdaten und dem Angebot der Abgeordneten, den direkten Draht zu nutzen, wenn uns “der Schuh drückt“.

Ta-ta

WeedGras e.V.

Quellen:

https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(24)00299-8/fulltext

https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VG%20Hamburg&Datum=27.03.2026&Aktenzeichen=3%20K%2039/26

https://www.uke.de/landingpage/ekocan/ver%C3%B6ffentlichungen

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